Klinische Studien in/aus der Schweiz

Tamoxifen in Patienten mit Muskeldystrophie Typ Duchenne

In der doppelblinden, Plazebo-kontrollierten und randomisierten Phase-I-Studie TAM-DMD wird die Wirkung von Tamoxifen in Jungen mit Muskeldystrophie Typ Duchenne evaluiert.  Studien in Mausmodellen der Krankheit haben vielversprechende Resultate gezeigt. Die Patienten werden ab Ende 2017 in sieben Länder rekrutiert, in der Schweiz am Universitäts-Kinderspital Beider Basel. Die Studie ist koordiniert durch das UKBB und finanziert durch die EU, die Schweizer Nationalfonds, die Patientenorganisationen Duchenne UK, NL und Monaco. E-Mail Kontakt am UKBB

Phase-III-Studie mit Catena®/Raxone® in Duchenne-Muskeldystrophie

1) In der doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Phase-III-Studie DELOS wurden 65 Duchenne-Patienten im Alter von 10 und 18 Jahren randomisiert, die keine Steroide einnahmen. Die Studie erreichte mit statistischer Signifikanz (p=0.04) den primären Endpunkt, den Unterschied zwischen Catena®/Raxone® und Plazebo in der maximalen expiratorischen Atemflussrate über den Behandlungszeitraum von 52 Wochen. Die maximale expiratorische Atemflussrate (Peak Expiratory Flow) ist eine Messgrösse für die Kraft der Atemmuskulatur, deren Abnahme ein wesentlicher Faktor für die Morbidität und Mortalität in DMD ist. Catena®/Raxone® war bei der eingesetzten Tagesdosis von 900 mg gut verträglich und das Auftreten von Nebenwirkungen vergleichbar mit Plazebo. Sekundäre Endpunkte im Bereich der Atmungsfunktion bestätigten und untestützen die positive Ergebnisse im primären Endpunkt.
Die Studie wurde von Santhera Pharmaceuticals Ltd, Liestal durchgeführt. 

Video über die Resultate: https://www.youtube.com/watch?v=icoM1gsX_2E 
Wissenschaftliche Publikation auf Lancet

2) In der doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Phase-III-Studie SIDEROS werden derzeit 266 DMD Patienten ab Alter 10 Jahren randomisiert, die Steroiden einnehmen. Die Behandlung dauert 18 Monaten/78 Wochen und die Catena®/Raxone® Dosis ist 900 mg/Tag. Die Studie rekrutiert in mehrere Länder, darunter in der Schweiz am Universitäts-Kinderspital Beider Basel. E-mail Kontakt am UKBB.
Die Studie wird von Santhera Pharmaceuticals Ltd, Liestal durchgeführt.

Omigapil in kongenitale Muskeldystrophien

Santhera Pharmaceuticals leitet eine Phase-I-Studie in CMD-Patienten im Kindes- und Jugendalter mit omigapil, eine anti-apoptotisch wirkende Substanz entwickelt von Novartis für andere neurologische Indikationen und idealer Kandidat zur Behandlung von CMD, eine Form von Muskelschwund, bei der Muskelzellen durch Apoptose absterben. In der Phase-I-Studie (CALLISTO) werden das pharmakokinetische Profil und die Verträglichkeit von Omigapil bei Patienten mit CMD im Kindes- und Jugendalter untersucht. Zudem soll in der Studie die Durchführbarkeit von krankheitsrelevanten klinischen Parametern im Hinblick auf die Verwendung in zukünftigen Wirksamkeitsstudien getestet werden. Santhera hat eigens für diese Patientengruppe eine neue Flüssigformulierung von Omigapil entwickelt. CALLISTO wird am National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) des NIH in Bethesda, Maryland, durchgeführt und wird 20 stationäre und ambulante Patienten im Alter zwischen 5 und 16 Jahren einschliessen, die entweder am Ullrich- oder MDC1A-Subtyp von CMD leiden, und für die Dauer von 12 Wochen behandelt werden. Ein unabhängiges Drug Safety Monitoring Board wird die Patientensicherheit und den Fortschritt der Studie überwachen. 
Das Programm wird finanziell mit 1,3 Millionen CHF durch EndoStem im Rahmen des 7. EU-Forschungsprogramms sowie durch zwei Patientenorganisationen, der US-amerikanischen Cure CMD und der Schweizerischen Stiftung für die Erforschung von Muskelkrankheiten, unterstützt. Die Patientenrekrutierung läuft (s. clinicaltrials.gov)

Metformin und Citrullin in BMD/DMD

Das Universitätskinderspital beider Basel (UKBB) hat in drei klinischen Studien die Wirksamkeit der Kombinationstherapie mit den Medikamenten Metformin und L‐Citrullin bei Patienten geprüft, die unter Muskeldystrophie Becker und Duchenne leiden. Diese Studien wurden von Herrn PD Dr. Dirk Fischer,  Leitender Arzt Kinderspital beider Basel (UKBB) geleitet.

Metformin ist ein Diabetesmedikament und wird zur Senkung des erhöhten Blutzuckers, sowie bei Insulinresistenz angewendet. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Patienten mit  Muskeldystrophie Duchenne und Becker oft eine Insulinresistenz vorliegt, d.h. die Muskelzelle reagiert vermindert auf das Insulin und kann dadurch weniger Glucose aufnehmen, was zu einer Verminderung der Muskelkraft durch fehlende Energie führt.

L-Citrullin gilt als eine halb-essentielle Aminosäure und ist ein wichtiger Bestandteil des  Harnstoffzyklus, wo es zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt wird, was  wiederum die Energieproduktion im Skelettmuskel stimulieren kann. L-Citrullin kann durch den menschlichen Organismus selbst hergestellt werden, allerdings sind die entstehenden Mengen nicht immer ausreichend, um den Bedarf zu decken. 

Eine Pilotstudie mit 5 DMD-Patienten wurde 2012 durchgeführt und hatte positive erste Resultate gezeigt.

Studie 1: In diese Studie wurden 20 Patienten mit Muskeldystrophie Becker eingeschlossen und über drei Monate mit Citrullin und Metformin behandelt. Die Studie wurde im September 2014 abgeschlossen und von der Lorenzo Piaggio Stiftung, dem Forschungspool der Neurologischen Universitätsklinik Basel, dem Forschungsfonds der Universität Basel und dem Neuromuscular Research Association Basel (NeRAB) finanziert. Die Resultate werden in Dezember 2016 erwartet.

Studie 2: doppelblinde, randomisierte, Placebo kontrollierte Studie mit 47 an Duchenne Muskeldystrophie erkrankten Kindern im Alter von 6,5 bis 10 Jahren. Diese Studie wurde 2015 abgeschlossen und bekam eine finanzielle Unterstützung durch die Schweizerische Stiftung für die Erforschung der Muskelkrankheiten, den Schweizerischen Nationalfonds (SNF), den Forschungsfond der Universität Basel und durch die Schweizerische Muskelgesellschaft. Die Resultate werden in Dezember 2016 erwartet.